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Die lückenlose Geschichte des Plattenspieler – Und was Du daraus lernen kannst.

Die Geschichte des Plattenspielers ist viel umfassender als viele vermuten könnten. Die riesigen Vorläufer standen schon in wohlhabenden Wohnzimmern rum, bevor Strom überhaupt verfügbar war.

Bis zu den nahezu perfekten Plattenspielern der 80er Jahre und seiner heutigen Renaissance war es ein steiniger Weg.

plattenspieler geschichte - wissenswertes

Im Laufe des Artikels fällt Dir vielleicht auf, dass der Artikel einen philosophischen Touch hat. Lese also wachsam!

Die Idee, Musik auf einem Medium zu speichern und sie immer wieder abspielen zu können – quasi als Konserve – ist älter als man denke könnte.

Schon früher fand man großen Gefallen an technischen Errungenschaften, die wie von Zauberhand funktionierten.

Ersten wagemutige Versuche Klänge zu speichern

Die Geschichte beginnt in der Antike. Schon die alten Griechen beschäftigten sich mit der Möglichkeit, mittels Pneumatik und Hydraulik (Luft- und Wasserkomprimierung) Töne zu erzeugen.

Folgende Erfindungen sind bis in die römische Zeit (bis ca. 500 n. Chr.) erwähnt worden:

  • eine Wasserorgel von Ktesibos
  • eine windangetriebene Orgel von Heron und
  • ein zwitschernder Vogel unbekannter Herkunft (beides etwa im 3. Jhd. v.Chr.)

Erst sehr viel später griff man diese Möglichkeiten wieder auf.

Feinmechaniker der Renaissance entwickelten bewegliche Figuren an Turmuhren und Spielzeuge wie z.B. ein Schiff Karls V., auf dem sich alle möglichen Figuren bewegten.

Diese Mechaniken konnten einmal angestoßen werden und erzeugten dann Bewegungen und Töne.

Echte Musikwiedergabegeräte waren sie aber noch nicht.

Im 18. Jahrhundert wurden dann Stiftwalzen entwickelt, die in Tondosen und Spieluhren Musik erzeugten. Sie wurden gern in den Salons der feineren Gesellschaft, als Hintergrundmusik oder kleine Albernheit für die entzückten Damen eingesetzt.

Die Qualität der abgespielten Musik ist allerdings nicht mit der eines echten Instruments vergleichbar gewesen.

Im 19. Jahrhundert wurde man schon etwas erfinderischer und entwickelte Notenrollen und Wachswalzen für das selbstspielende Pianola.

Vorläufer des Plattenspielers – Die blutigen Anfänge

1877 – Es war einmal…

…ein nicht unbekannter Erfinder. Thomas Alva Edison hat wieder einmal einen entscheidenen Beitrag geleistet. Der berühmte Tüftler und Geschäftsmann meldete das Patent für seinen sogenannten Phonographen (englisch: „Phonography“) an.

Das Funktionsprinzip war für damalige Verhältnisse genial, aber auch erstaunlich einfach. Der Ton wird hier mit einer Walze, statt Scheibe wiedergegeben. Zudem kann der Phonograph mithilfe seiner umwickelten Zinnfolie alles Mögliche aufnehmen.

Hier verschiebt sich die Walze durch das Kurbeln des Drehstocks bis zum Anschlag.

Die Vorgehensweise im Detail:

  1. Eine Membran mit integrierter Nadel wurde auf die Walze angelegt. Diese Bauteil dient dazu, Schallwellen über die Membran + Nadel in die Zinnfolie „einzuritzen“. Die Aufnahme wurde damit „gespeichert“.
  2. Anschließend wird die Phonographenwalze zurückgekurbelt
  3. Sobald wieder Ruhe herrschte konnte nach erneutem Anlegen der Nadel wieder losgekurbelt werden.
  4. Die Zinnfolie mit dem aufgezeichneten Schall wird nun für eine Dauer von ca. 2 Minuten wiedergegeben.

Der Antrieb der Phonographenwalze war nur  mechanisch per Hand möglich (noch!). Strom war nämlich rar und für die meisten Haushalte noch nicht verfügbar. Dementsprechend war hier noch viel Fingerspitzengefühl und Konzentration nötig.

Funktionsweise: https://www.youtube.com/watch?v=4koqcfAzSCQ

Später kam noch der allseits bekannte Schalltrichter hinzu, um die Schallwellen zu verstärken.

Die Erfindung fand in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit. Und das nicht nur weil Edison sich und sein Apparat gekonnt in Szene zu setzen wusste. Seine Raffinesse tat ihr Übriges.

1887 – Die Konkurrenz schläft nie

Nur 10 Jahre später meldete Emil Berliner das Patent für seinen sogenannten Grammophon (auch Grammofon) an.

Hier erkennt man eindeutig jene Basiselemente, die stark an den heutigen Plattenspieler erinnern:

  • Eine drehende Scheibe (damals: waagrechter Teller) angetrieben durch eine Handkurbel
  • eine Art Tonarm mit Nadel (damals: Schreibapparat mit Schreibstift)
  • Lautsprecher“ (damals natürlich noch der Schalltrichter)

Kegelförmige Zahnräder im Gestell ermöglichten den gleichmäßigen Antrieb mithilfe der Handkurbel. Die schräg liegenden Nadel konnte somit den Schall auf der Platte sprialförmig einzeichnen.

Ähnlich wie wie beim Phonographen konnten Schallereignisse über Schalltrichter und Membran eingeritzt werden. Nur hier eben auf eine wachsbeschichtete Zinkscheibe. Diese im Wachs eingeschnitzte Rille wurde anschließend in einem Säurebad in das Zink geätzt. Das Wachs konnte entfernt werden während das Schallmuster der Rille bestehen blieb.

Wir sind also noch weit entfernt von dem, was wir heute unter einer klassischen Schallplatte verstehen.

Prinzipiell ähnelte der Aufnahmemechanismus dem des Phonographen. Die ebenfalls integrierte Membran hatte jedoch eine integrierte Feder die eine vollständigere Verbindung zum Abtaststift bildete. Zudem bestand die feine Spitze des Schreibstifts aus hartem Osmium (=Iridiummetall).

Phonograph vs Grammophon – Signifikante Qualitätsunterschiede

Das Einritzen des Stiftes in die zinnbeschichtete Walze des Phonographen hatte viele Schwächen.

Die Übertragung vom Schall über Membran (auch Phonographenplatte) und dazugehörigem Stift war ziemlich krauftaufwendig. Demzufolge war das Eingravieren des Schalls in die – auf der Walze befindliche Zinnscheibe – alles andere als vollständig. Höhen und Tiefen wurden abgeschwächt oder gingen vollständig verloren. Der wiedergegebene Sound war somit für Musikliebhaber alles andere als vollkommen.

Das erkannte auch Emil Berliner.

Der deutsch-amerikanische Erfinder werkelte an einem hochwertigeren Zwischenmechanismus. Dieser half dem Schreibstift, dank seiner gleitenden Bewegung, gleichmäßiger in die drehende Platte einzuschneiden. Auch verhalf seine schräge Anordnung zu einer fast doppelt so weitläufigen Bewegung.

Zudem konnte die – im Gegensatz zur Walze des Phonographen – ebene Platte die Schwingungen vollständig(er) aufnehmen. Ein entscheidender Beitrag dazu leistete auch die stetige Verbesserung der Platten. Noch Ende der 1880er wurden die Zinkscheiben durch reine – mit Graphit überzogenen – Wachsscheiben und anschließend durch Hartgummi ersetzt.

Die schallübertragende Membran, bestand aus einer Glimmerplatte und später aus sogenannten vulkanisierten Fasern. Die Vision der perfekten Klangwiedergabe verhalft dem Gerät zu immer neuen Höhen.

Schon damals waren es die Klangfetischisten, deren Affinität zu qualitativ hochwertiger Soundwiedergabe zu innovativen Verbesserungen verhalf.

Die Qualität der Schallaufzeichnung verbesserte sich dementsprechend kontinuierlich.

Zusammenfasst: Im Grammophon steckte mehr Liebe zum Detail. Das Zusammenspiel aller Bauteile war ausgefeilter und durchdachter. Dinge, die sich bei der Soundwiedergabe positiv bemerkbar machen. So wie es nunmal sein sollte beim Streben nach Klangperfektion 😉

Showdown

Man kann sich gut vorstellen, dass Edison und Berliner nicht die dicksten Freunde waren. Ihre Erfindungen waren in einem harten Konkurrenzkampf. Mehr als verständlich, dass Edison sich nicht vom Thron stoßen lassen wollte.

Schon Anfang der 1890er ermöglichte ein spezielles Elektrolyse-Verfahren die Herstellung einer Matrize. Sozusagen ein liegender „Schallstempel“, wodurch die Platteproduktion rationalisiert wurde. Diese Entwicklung war einschneidend und prägt sogar bis heute Plattenindustrie.

Seit 1895 wurde Schellack als Bindemittel verwendet, gewonnen aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen. Hauptbestandteile waren Kohlenstaub, Gesteinsmehl und sogar Tierhaare. Gäbe es damals schon Greenpeace hätte die Geschichte wohl einen etwas alternativen Verlauf genommen…

Diese einschneidende Produktionsumstellung sollte noch die nächsten 60 Jahre spürbar sein.

Parallel dazu wurde mithilfe von Eldridge R. Johnson wurde ein Federmotor für das Grammophon entwickelt und als Antrieb genutzt. Eine Art spiralförmige Feder, die Plattenteller samt Schallplatte nach dem Aufziehen in Bewegung setzte. Das verhalf der Produktsparte nach Einführung im Jahre 1896 zusätzlich zu einer enormen Umsatzsteigerung.

Es folgte u.a. die beidseitige Platte im Jahre 1904. Man bekam „mehr“ Musik bei gleich bleibender Größe. In Verbindung mit einer relativ leistungstarken Produktion war hier der Grammophon mit seinen Platten wiedermal klar im Vorteil.

Wer kam da noch auf die Idee sich unhandliche Walzen zuzulegen?

1908 verdoppelte Edison die Rillendichte des Walzens, sodass sich die mögliche Spieldauer verdoppelte. Auch ältere Modelle konnten auf Wunsch umgerüstet werden. Ein weiterer verzweifelter Versuch dem Grammophon Paroli zu bieten.

Die Einführung eines eigenen Schallplattenformats (1913), der „Diamond Disc“ mit dem zugehörigen „Diamond Disc Phonograph“, war das Eingeständnis der Überlegenheit des Konzepts „Platte“.

Doch da war es für Edison schon zu spät.

Trotz vieler Verbesserungen, wie die Diamantnadel zur Abtastung, konnte sich das neue Modell gegenüber das Grammophon nicht behaupten. Zudem hatte Edison einfach nur Pech. Sein Aufnahmestudio für klassische Walzen brennte 1914 komplett nieder.

Kein Wunder, dass sich Berliners Erfindung während des ersten Weltkriegs durchsetzte und Edisons Phonograph massiv an Bedeutung verlor.

Ganz klar erkennt man mehrere Faktoren, die den Grammophon zum klaren Sieger erklärte:

  • überlegene Soundqualität
  • höhere Verfügbarkeit von Schellackplatten
  • schicksalhafte Ereignisse, die den Grammophon zum Auserwählten erklärten 😛

Während in den USA sich der Phonograph noch bis Ende 20er Jahre wacker hielt, setzte sich das Grammophon in Europa immer mehr durch. Nach dem 1. Weltkrieg konnte man kaum noch solch ein Gerät erblicken.

Das mittlerweile vielfach verbesserte Grammophon fand für die nächsten Jahrzehnte Einzug in die Privathaushalte.

Erst 1929, im Zuge der Weltwirtschaftskriese, musste Edisons gesamte Tronträgerfabrik ihre Pforten für immer schließen.

Beide Geräte unterlagen stetigen Verbesserungen. Fast schon schicksalartig wurde aber das Grammophon der Wegbereiter unseres geliebten Plattenspielers.

Für den Fall, dass Du ein Grammophon kaufen möchtest, gibt es verschiedene Optionen, von denen Du wählen kannst:

  • Ein Original aus den 1910 bzw. 1920ern
  • Plattenspieler in Grammophon-Optik (keine Schellackplatten nötig)
  • Grammophone imit viel Schnick Schack wie mit Bluetooth

In Kürze erscheinen hierzu die besten Kaufoptionen.

Weitere Verbesserungen und der große Durchbruch

Während sich Emil Berliner immer mehr der Produktion von Schallplatten widmete erfuhr das Grammophon stetige Verbesserungen. Und das seitens verschiedenster Hersteller.

Immer mehr elektrische Antriebe wie z.B. die von Albert Ebner & Co. automatisierten die Wiedergabe. Mit den ersten elektrischen Tonabnehmer im Jahr 1926 von General Electric, wurde die Wiedergabe „elektrisiert“ und konnte mithilfe des Radios verstärkt werden. Erwähnenswert ist die unabhängige Entwicklung dieser Neuerungen.

In den 20ern gab es dementsprechend

  • Kurbelgrammophone mit elektrischen Tonabnehmern
  • Grammophone mit elektrischem Antrieb + mechanischer Tonerzeugung

Man muss wirklich kein Genie sein, um die Vorteile beider Geräte in einem Gerät zu kombinieren. Es kam wie es kommen musste: Das „elektrische Grammophon“ entstand und standardisierte sich.

Es etablierte sich endlich der Name „Plattenspieler“

Auch wenn die Schallplatte sich aufgrund diverser Vorteile anfangs des 20. Jahrhunderts durchsetzt, war die Herstellung immer noch recht kostspielig.

1904 kostete die Grammophonplatte dementsprechend 2,50 Mark. Das war bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 50 Mark natürlich viel Geld.

Ab 1922 wurde das für die Plattenproduktion angewandte Wachsgussverfahren von einem wesentlich effektiveren Methode ersetzt, dem Matrizensystem (auch „Vater-Mutter-Son-Verfahren“). Die dabei angewendeten Matrizen konnten hierbei unbegrenzt zur Vervielfältigung benutzt werden.

Die darauffolgende Massenproduktion ermöglichte einen günstigeren Preis und machte das Grammophon bzw. Plattenspieler zu einer lohnenswerten Investition für Haushalt und Ohren. 😉

Dieses einschneidende Ereignis sollte die Welt noch Jahrzehnte lang prägen.

Technische Raffinesse trifft auf wachsenden Wohlstand

Die Bell Telephone Company entwickelte 1924 das elektro-akustische Aufnahmeverfahren. Die Schallwellen wurden hierbei in durch ein Mikrofon in elektrische Signale gewandelt.

Mit der Erfindung von Röhren und elektrischen Wandlern kamen 1926 entsprechende Verstärker dazu. Die Aufnahme und Wiedergabe elektrifizierte sich. Nicht nur die Effektivität der Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten steigerte sich, sondern auch der Klang an sich wurde viel klarer.

In anderen Worten:

Der riesige Schalltrichter wurde obsolet!

Und wieder sind wir dem konventionellen Plattenspieler einen großen Schritt näher gekommen

Die Phase der stetigen Verbesserungen

In den 1950ern war ein weiterer Meilenstein die Einführung des Plattenwechslers. Er ermöglichte das Abspielen mehrerer Schallplatten.

Nachdem man alle auf eine Achse gestapelt hatte, wurde eine Scheibe nach der anderen auf den Plattenteller fallen gelassen. Die Alben konnten nacheinander abgespielt werden, teilweise sogar in verschiedenen Größen.

Keine mühseligen Handgriffe mehr, stattdessen mehr Automation.

Der entscheidende Nachteil war die

  • Untauglichkeit für doppelseitige Platten, denn nur eine Seite konnte gespielt werden
  • fehlende Erfassung der passenden Abspielgeschwindigkeit für die verschiedenen Platten
  • Möglichkeit von Kratzern durch den freien Fall auf den Plattenteller.

Vinyl – Auf dem sicheren Weg zur Perfektion

Die wohl einschneidenste Entwicklung waren die ersten Platten aus Vinyl: Der Schallplatte wie wir sie heute mehr oder weniger kennen.

Möglich machte das der ungarisch-amerikanische Physiker Dr. Peter Goldmark im Jahre 1948. Der bei Columbia Records leitende Ingenieur stellte auch die erste Schallplatte mitt 33 1/3 Umdrehungen und einem Durchmesser von 30 cm vor. In Deutschland auch bekannt als Langspielplatte (LP). Dies sollte einen weitreichenden Wendepunkt in der Erfolgsgeschichte der Schellackplatte markieren.

Schon im Jahr darauf stellte die US-Firma RCA Victor den kleinen Bruder vor: Die Single-Platte mit einem Durchmesser von 17,5 cm bei 45 UpM (Umdrehungen pro Minute).

Aufgrund der verschiedenen Größen mussten die verschiedenen Plattenherstellern dementsprechend aufrüsten. In kürzester Zeit konnten beide Scheibenarten in den entsprechenden Geschwindigkeiten abgespielt werden.

Das Ende der Schellackplatten war besiegelt. Selbst der Plattenriese „EMI“, dessen Wurzeln bis zu dem Schallplattenerfinder Emil Berliner zurückgeht, stoppte die Produktion mit Schellack im Jahre 1958. Absolut nachvollziehbar, da Schellackplatten teurer und empfindlicher waren, als Platten aus Vinyl.

Und so lösten Vinylplatten die Dominanz der Schellackplatten in den 50ern und 60ern schrittweise ab. Die letzten Fabriken in asiatischen Ländern wie Indien oder die Phillipinen stellten diese noch bis in die späten 60er Jahre her. Beispielsweise wurden dort noch die frühen Beatles-Platten in Schellack und dem dazugehörigen 78-Upm-Format produziert.

In den 60ern nahmen dann die Stereoplatten voll Aufwind. Sie ermöglichten in Verbindung mit frühen Stereoboxen ein besseres räumliches Klangwerlebnis. Schallplatten die den Klang eben „stereo“ wiedergeben. Technisch eigentlich schon seit 1929 vorhanden, so richtig die Norm dank der „Deutschen Grammophon“ seit Ende der 50er.

Das Format änderte sich hierbei nicht und war dementsprechend monokompatibel. Sie konnten also mit dem herkömmlichen Monoplattenspieler wiedergegeben werden. Der Einzug in die Haushalte war einfach.

Die detaillierte Entwicklung der Langplatte findest Du auch unter planet-wissen.de.

Plattenspieler der 70er und 80er – am Höhepunkt in jeder Hinsicht

Die ältere Generation träumt ja von den guten alten 80ern. Selbst jüngere Menschen malen sich die 80er als eine stressfreieres, feierfreudiges Jahrzehnt aus.

Und ja!

Musik war damals kreativer! Zumindest was den Mainstream angeht.

Und unser geliebte Plattenspieler gab seinen guten Senf dazu. Nach jahrzehntelanger Entwicklung und Optimierung durch verschiedenste Hersteller war der qualitative Höhepunkt erreicht. Das musikalisch einzigartige Jahrzehnt erfreute sich eines ausgezeichneten Sounds.

Selbst heute sagen viele, dass Geräte aus den 80ern unschlagbar seien. Speziell hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das ist schon was Wahres dran, wenn man sich die Geschichte bestimmter Hersteller näher betrachtet.

Thorens

Ein langjähriges Unternehmen aus der Schweiz, so alt wie der Plattenspieler selbst, galt als einer der führenden Hersteller, hinsichtlich hervorragender Qualität. Bekanntheit erlang es vor allem durch den ersten Schallplattenspieler, der beidseitige Platten automatisch und ohne Handeinsatz wenden konnte.

Die Geräte waren schon immer im höherpreisigen Segment angeliefert. Die Eroberung des Massenmarkts war nicht primär das Ziel der Firma. Schallplattenspieler sollten vor allem professionell genutzt werden.

Viele schwören immer noch auf die guten Thorens Plattenspieler der 80er Jahre. Dieser Standpunkt ist auch nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass in 90er ein Kurswechsel stattfand. Um den Kundenkreis zu erweitern bot Thorens auch Geräte im Niedrigpreissegmet an. Im Nachhinein betrachtet keine weise Entscheitung, denn kurz darauf war die Folge eine Insolvenzanmeldung.

Seit 2003 nahm der gute Laden unter dem Dach der Thorens Holding AG wieder seinen Betrieb auf. Die Thorens-Geräte leben weiter, welche sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, nicht zuletzt  auch wegen der Qualität und Verlässlichkeit.

Trotzdem waren es die glorreichen 80er die den Höhepunkt von Thorens kennzeichneten.

Lenco

Die Geschichte von Lenco begann nach dem 2. Weltkreig in der Schweiz. Zunächst als Hersteller von zuverlässigen Elektronikartikeln, verlagerte sich die Produktion in den 60ern in die von Plattenspielern.

Internationale Bekanntheit erfuhr das Unternehmen durch Innovationen wie der Plattenspieler L75. Dieser galt als die „Arche“ der Plattenspieler. Sie bestand aus einem massiven Holzkasten, einem 4 Kilo schweren Plattenteller und einem einzigartigen Tonarm. Legenden behaupten, dass ausgewachsene Menschen sich auf dem Plattenteller drehen lassen.

Mit 1300 Mitarbeitern und in 80 exportierenden Ländern erfuhr Lenco einen lange anhaltenden Boom. Trotz der zum Konkurs führenden Ölkrise hat sich der Markenname ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Auch wenn die Marke heute Teil der Horst Neugebauer Kg ist sind seine Fans ihm treu geblieben. Und das zurecht!

Rega

Der erste Plattenspieler „Planet“ kam 1972 von Roy Gandy auf den Markt. Selbst zusammengebastelt. Mit seinem Partner (Tony Relph) gründete er das Handelsunternehmen REGA, eine Zusammensetzung aus den beiden Nachnamen GAndy und RElph. Das kleine Unternehmen wuchs stetig und zählte immerhin 13 Mitarbeiter im Jahr 1980. Dank einer neuen Verfahrenstechnik konnte der Tonarm bestehend aus einem Bauteil produziert werden. Unabhängig gegenüber dänischen und japanischen Zulieferern ging es nun mit innovativen Schritten volle Kraft vorraus.

1988 folgten weitere Bauteile wie Tonabnehmer „Bias“ und „Elys“. Der Markt war begeistert und die Verkaufszahlen gingen schon im ersten Monat auf die 1000 zu.

Lautsprecher, Verstärker und viele andere Komponenten ergänzten in den folgenden Jahren die Produktpalette immer mehr zu einem Komplettpaket: Hifi-Anlage mit Plattenspieler, die kombiniert eine nahezu perfekte Portion Sound ablieferte.

Noch heute ist Rega kein Weltkonzern, aber eine innovative Klangschmiede mit 55 Beschäftigten (Stand: 2011) in den Händen des visionären Gründers Roy Gandy.


Erkennst Du das weitere Muster? Innovative Gründer hat sich getraut was Neues auszuprobieren. Und alles lief nun man in den goldenen 80ern zusammen.

Zu nenen sind hier noch viele andere wegweisende Hersteller wie TechnicsElac oder Dual.

Hervorragende Plattenwechsler sind dem ehemaligen Hersteller Dual zuzuschreiben. Trotz starkem Wachstum bis in die 70er, musste das Unternehmen 1982 Konkurs anmelden. Seitdem werden die Dual-Plattenspieler unter der Alfred Fehrenbacher GmbH produziert und unter der Sintron Vertriebs GmbH vertrieben. Nach wie vor zeichnen sich Dual Plattenspieler durch Ihre Qualität Zuverlässigkeit aus.

Weitere Innovationen wie der erste Plattenspieler mit Direkantrieb durch Technics ebnete u.a. später den Weg für das Mixen von verschiedenen Platten.

Das goldene Plattenspieler-Zeitalter hatte auch seine Schattenseiten. Viele Hersteller mussten Konkurs anmelden, da die Konkurrenz stark war. Auch die Compact Disc (CD) eroberte sich ab 1985 immer mehr Plätze in den Regalen. Das hatte aber auch den wunderbaren Effekt, dass nur die besten überlebten.

Kein Wunder, dass sich noch heute die Geister streiten, ob seitdem überhaupt eine nennenswerte Qualitätssteigerung im Rahmen des passenden Preis-/Leistungsverhältnis standfand.

Da lohnt sich doch die Überlegung zu einem günstigeren Modell dieses nostalgischen Jahrzehnts zu greifen.

Qualvoller Exitus – die 90er

Als die Kompaktkassette in 1960ern dank Ihre Kompaktheit zu einer der beliebtesten Musikquellen wurde, war das lange keine Gefahr für die Schallplatte.

Das änderte sich schnell, als im Laufe der 1980er die Compact Disc (CD) den Markt angriff. Schon 20 Jahre später wurden Vinyls fast vollständig durch digitale CDs ersetzt.

Viele CDs, kaum neue Platten, weniger qualitative Weiterentwicklungen unseres geliebten Plattenspieler – eine Milchmädchenrechnung.

Im Gegensatz zur Platte hatte die CD zugegebenermaßen gewisse Vorteile.

Die Compact Disc

  • ist kompakter
  • nutzt qualitativ nicht ab
  • behält über Jahrzehnte seinen originalen, unverzerrten Klang

Der Fokus verlegt sich nun auf Hifi-Anlagen, dessen Herzstück (dem Plattenspieler) durch den immer beliebteren CD-Player ausgetauscht wird.

Das Quasi-Monopol der Schallplatte wurde also im Laufe einiger Jahrzehnte (von den 20ern bis zu den 90ern)  Stück für Stück erst durch die Compact Cassette (CC) und später durch die CD aufgebrochen. Viele Hersteller hatten Probleme sich an diese rasante Entwicklung anzupassen.

Ausnahmehersteller wie Pro-Ject bestätigten die Regel. Durch Spezialisierung und Fokussierung auf funktionelle Vielfalt mit verschiedenen Preisniveaus gelang es Produzenten aus Österreich sogar vom Abschwung zu profitieren. Auch etablierte Hersteller wie Lenco blieben standhaft.

Es gab aber auch das Nischendasein des DJ-Plattenspielers. Die weltweit aufkommende Techno-Szene gab dem Plattenhersteller Panasonic nochmal einen ordentlichen Schub. Unter der Handelsmarke Technics wurden seit 1978 die SL-1200/1210-Serie vertrieben und bewies sich als zuverlässiger Anbieter für DJ-Equipment. Bei der Recherche nach DJ-Equipment wirst Du heute noch zwangsläufig auf die Kultmarke Technics stoßen. Nach jahrelangem Entwicklungsstop kam erst 2016 eine Neauflage der SL-1200/1210-Serie, die mit regelmäßigen Abständen mit mehr und mehr Feinoptimierungen glänzen konnte.

Aber zurück zur mehr als holprigen Geschichte unseres Lieblings.

Innovative Neuerungen wie die Abtastung der Plattenrillen durch eine Lasereinheit kamen anfang des Jahrzehnts (90er) auf den Markt. Gut durchdacht und sinnvoll, da die böse Abnutzung durch die Nadel am Tonabnehmer der Vergangenheit angehören sollte.

Selten zu finden in diesen Tagen! Und das hat auch seinen Grund.

Die Technologie war aufwendig und ist es heute noch. Die ersten Modelle von der kalifornischen Final Technology waren mit umgerechnet 35 000 DM einfach zu teuer. Wenige wohlhabende Musikfetischisten konnten sich das High Tech-Gerät leisten. Die CD in Kombination mit einer soliden Hifi-Anlage war vom Preis-Leistungs-Verhältnis einfach unschlagbar. Die Firma, die es gut meinte ging insolvent, die Technologie überlebte und fand später im Jahr 2012 seine Wiedergeburt bei dem Japaner ELP Corporation.

Das langsame und quälende Sterben des Plattenspielers war schmerzvoll, doch so ist das eben im freien Markt.

Der Stärkere (das digitale Format) setzt sich durch, zumindest mittelfristig…

Wiederauferstehung – die 2000er

Das Musikangebot entwickelte sich weiter und verlagerte sich vom Regal in die unendlichen Weiten des Internets. Lieder konnten nun einzeln legal oder illegal runtergeladen werden.

Eine ganze Platte oder CD zu kaufen, nur um ein geiles Lied zu hören war mehr als ineffizient. Also runtergeladen, auf mp3-Spieler draufgezogen, Ohrstöpsel rein und los.

Zugegeben. Vorteile hat das digitale Zeitalter allemal!

Mit Itunes/Spotify in Kombination mit dem Smartphone wird die Bequemlichkeit des Musikliebhabers weiter ausgenutzt. Man möchte meinen es war nie anders!

Die Schallplatte galt als tot und niemand hätte zu jener Zeit mit einem Comeback gerechnet. Aber eine kleine Gruppe hartnäckiger Plattenliebhaber hielt an der inzwischen altertümlichen Technik fest.

Aber Moment mal! Da war doch was!

Die Menschheit fing an sich wieder an die rustikale Ästhetik vergangener Jahrzehnte zu erinnern.

2005, am Tiefpunkt angelangt, lagen die Verkaufszahlen von Langspielplatten noch bei ca. 100.000. Doch im darauffolgenden Jahr waren es schon 170 000. Zufall oder der Beginn einer lang anhaltenden Trendwende? Du kennst die Antwort bereits.

2018 wurden sage und schreibe 3,1 Millionen Platten verkauft. Damit eroberte sich die LP 5% des Gesamtumsatzes physicher Tonträger.

Kein Wunder! Oder kaufst Du noch CDs?

Mit Spinnweben geschmückte Plattenpressen vergangener Jahrzehnte wurden wieder angeschmissen um die wachsende Nachfrage der Klangfetischisten zu bedienen. Langsam und stetig sichert sich die Platte und damit der Plattenspieler Marktanteile zurück. Selbst Hersteller wie Teufel stellten einen Schallplattenspieler vor, obwohl der Fokus normalerweise immer auf Entwicklung und Vertrieb von Lautsprechern lag.

Der gute alte Schallplattenspieler feiert sein Comeback, auch wenn die Anteile (noch!) langsam und organisch wachsen. Hier muss mit Qualität und Sound den rationalhandelnden Audiophilen überzeugt werden.

Ich kann die Trendwende mehr als nachvollziehen.

Gewiss. Vinyls sind nicht so ganz mobil wie digitale Speichermedien. Dennoch haben sie einen qualitativen und ästhetischen Wert.

Was ist Dir lieber? Die originale Ersterscheinung Deiner Lieblingsband als LP oder lieber eine lieblose Playlist auf Deinem Handy? Du merkst selber, dass die Playlist nichts ist, wofür Du Dir eine Kugel einfangen würdest.

Zudem ist die Musik auf den Schallplatten länger haltbar als oft behauptet. Nach einigen Jahrzehnten sind die Dateien auf CD undwiderruflich gelöscht. Nicht jedoch auf der Schallplatte. Der Klang klingt nach einigen Jahren zwar abgenutzter, doch das kann mit dem schon erwähnten Laserplattenspieler verhindert werden.

Moderne LP-Player bieten auch tadellose Digitalisierungen der Scheibe an. Gekaufte CDs dagegen sind schreibgeschützt und lassen sich nicht kopieren.

Ein optimistischer Ausblick

Man könnte den Platten-Hype dem allgemeinen Retro-Trend des Hippster-Lifestyles zurechnen. Der Plattenspieler hat klasse und macht sich gut in jedem Wohnzimmer. Man sticht hervor und setzt ein Understatement.

Zusätzlich könnte die Ursache in dieser tiefsinnigen Theorie liegen:

Die Schnellebigkeit und automatisierte Wiedergabe Tausender Lieder verlor ihren Reiz und die Menschheit fängt an sich wieder auf den Genuss besonderer Momente zu besinnen und den Alltagswahn zu vergessen.

Schon mal gemütlich The Dark Side of the Moon von Pink Floyd ohne Unterbrechung bei deinem kühlen Lieblingsgetränk (Scotch oder Bier) und etwas zum Rauchen (Zigarrre oder Sonstiges 😵🥴) genossen? Die volle Konzentration auf den Moment bei gleichzeitigem Loslassen aller vermeintlichen Probleme kann sich wirklt sich mehr als positiv auf die innere Lebensfreude aus. Man könnte es Musikalische Meditation nennen.

Dies sind einer der Dinge, die mich immer daran erinnern, warum es sich immer wieder lohnt auf die gute alte Technik eines Plattenspielers zu setzen.

Und die Zahlen bestätigen, dass wir noch nicht am Ende sind.

Fazit

Warum so ein intensiver geschichtlicher Ausflug zu den wichtigsten Entwicklungsstadien des Schallplattenspielers? Und damit ganz nebenbei die allgemeine Entwicklung unserer Art Musik zu hören.

Ganz einfach. Dieser Artikel soll mehr sein. Er soll zeigen, dass alles in Zyklen verläuft. Der jahrelange Tanz zwischen Versuch und Irrtum dank zielstrebiger Erfinder und Unternehmer mündet im Ergebnis zu qualitativ hochwertigen Geräten, die uns Freude bereiten.

Ist die Schallplatte wirklich das Beste, was die Musikwelt je gesehen hat?

Für die einen ist es die Schallplatte, für die anderen spotify. Jeder Mensch soll das für sich entscheiden. Die Erkenntniss kommt jedoch zurück, dass klein und kompakt auch Nachteile hat.

Schon klar, dass die Digitalisierung gewonnen hat. Mit dem Kofferplattenspieler zur Arbeit zu fahren ist vielleicht cool, aber alles andere als bequem.

Wie so oft ist der goldene Mittelweg das Optimum:

  • Hörbücher und einzelne Lieder schön kompakt im Mobiltelefon,

während

  • Deine Lieblingsalben im heimischen Zimmerchen Dich mit einem einzigartigen Sound in andere Universen katapultieren…

Deshalb sollte die Platte und damit der Plattenspieler nicht mehr so schnell aus den Wohnzimmern verschwinden wie einst.

Selbst wenn Technologien entwickelt werden, die die Musikwelt tatsächlich schöner klingen lässt, als die des Plattenspieler, dann sollten wir einen einen Teufel tun, unserer geliebtes Schmuckstück entsorgen oder in andere Hände zu übergeben…


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